Blogbeitrag #9: Es gibt viele gute Gründe, Dinge (selbst) zu reparieren
Das Wichtigste zuerst: Wenn du etwas selbst reparierst, geht es nicht darum, es perfekt zu können. Du musst kein Elektriker oder Klempner sein oder werden und keine Nähmaschine bedienen können. Es geht nicht darum, den Gegenstand in seinen ursprünglichen Neuzustand zurückzubringen. Es geht vielmehr darum, die Nutzungsdauer deiner Sachen zu verlängern (bis es halt wirklich nicht mehr geht).
Das Wichtigste zuerst: Wenn du etwas selbst reparierst, geht es nicht darum, es perfekt zu können. Du musst kein Elektriker oder Klempner sein oder werden und keine Nähmaschine bedienen können. Es geht nicht darum, den Gegenstand in seinen ursprünglichen Neuzustand zurückzubringen. Es geht vielmehr darum, die Nutzungsdauer deiner Sachen zu verlängern (bis es halt wirklich nicht mehr geht).
Du musst nicht alles selbst reparieren können. Wenn du etwas nicht kannst oder keine Zeit hast, es zu lernen, frag doch zuerst in deinem Freundeskreis nach, ob jemand die notwendigen Fertigkeiten hat. Das hat den schönen Nebeneffekt, es in deinem Freundeskreis zu normalisieren, Dinge zu reparieren. Wenn von deinen Freunden niemand aushelfen kann, besuch doch mal ein sogenanntes Repair Café, wo dir Fachleute ehrenamtlich zur Seite stehen. Solche Angebote gibt es inzwischen sogar in kleineren Städten. Sofern es das in deinem Ort noch gibt, kannst du Schuhe auch gerne zum Schuster bringen, Kleidung in eine Schneiderei geben und einige technische Geräte vor Ort reparieren lassen. Das ist dann nicht selbst repariert, aber immer noch gut für die Umwelt.
Es gibt viele gute Gründe, warum ich dich dazu ermutigen möchte, Dinge (selbst) zu reparieren.
Nützliches Wissen: Wenn du neue Dinge ausprobierst und dir zutraust, etwas selbst zu reparieren, eignest du dir in jedem Fall nützliches Wissen an. Man muss nicht gleich Selbstversorger sein, Prepper werden oder in der Wildnis überleben können, aber Dinge selbst reparieren zu können, bedeutet schon ein gewisses Maß an Unabhängigkeit. Vielleicht kannst du mit deinem neuen Wissen mal jemandem in deinem Freundes- oder Familienkreis weiterhelfen. Ein Geben und Nehmen quasi.
Wertvolles Erfolgserlebnis: Falls du schon mal Kleidung selbst ausgebessert hast, einen WC-Spülkasten selbst wieder zum Laufen gebracht hast oder dich selbst um die Instandhaltung deines Fahrrads kümmern kannst, kennst du vielleicht die Zufriedenheit, die ein solches Erfolgserlebnis mit sich bringt. Solche Reparaturen bieten die Möglichkeit, durch eigene Arbeit ein tolles Ergebnis in deinen Händen zu halten.
Wichtige Umweltaspekte: Ja, es macht Sinn, einen neuen, energiesparenden Kühlschrank oder eine neue Waschmaschine zu kaufen, anstatt ältere Modelle durch Reparaturen auf dem Markt zu halten. Bei den meisten Gegenständen ist es aber sinnvoll und ressourcensparend, sie erstmal zu reparieren. Sich anzugewöhnen, Dinge erstmal zu reparieren und ihre Nutzungsdauer zu verlängern, kann auch insgesamt zu einem umweltbewussteren Konsum anregen.
Finanzielle Vorteile: Die Lebensdauer seiner eigenen Sachen zu verlängern und sich vor allem daran zu gewöhnen, reparierte Dinge zu tragen und weiter zu benutzen, kann einige vorschnelle Neukäufe verhindern. Vielleicht ändert es auch dein Kaufverhalten hin zu reparierbaren Produkten oder zu besserer Qualität. Selbst Dinge zu reparieren kann auch dazu anregen, sich damit auseinanderzusetzen, wofür man sein Geld ausgibt, was man zum Leben braucht und was einen zufrieden macht.
Größere Wertschätzung: Wenn du etwas reparierst, entscheidest du dich für diesen Gegenstand und erstmal gegen einen Neukauf. Du steckst etwas Zeit und Arbeit hinein, du kümmerst dich. Vielleicht wirst du den Gegenstand in Zukunft noch besser hegen und pflegen, damit er nicht so bald wieder kaputt geht. Es könnte ein Ziel sein, seinen eigenen Gegenständen (wieder) mehr Wertschätzung gegenüber zu bringen, nicht alles für austauschbar zu halten, zufriedener zu sein.
Wenn du in deinem Zuhause Ordnung schaffen möchtest und dir dabei Unterstützung von jemandem wünschst, der absolut respektvoll mit deinen Dingen umgeht, melde dich gerne bei mir. Ich freue mich auf dich und dein Projekt.
Blogbeitrag #8: Hast du alles, was du zum Schreiben brauchst?
Damit meine ich nicht, ob du das Selbstbewusstsein, Durchhaltevermögen oder „Zeug“ dazu hast, eine Dissertation oder ein Buch zu schreiben. Ich meine damit: Hast du alles, was du brauchst, um beim Schreiben gesund zu bleiben und dich so wohlzufühlen, um dranzubleiben?
Damit meine ich nicht, ob du das Selbstbewusstsein, Durchhaltevermögen oder „Zeug“ dazu hast, eine Dissertation oder ein Buch zu schreiben. Ich meine damit: Hast du alles, was du brauchst, um beim Schreiben gesund zu bleiben und dich so wohlzufühlen, um dranzubleiben? (Du darfst es dir beim Schreiben auch wirklich gut gehen lassen, besonders wenn dir das Schreiben schwerfällt.)
Egal, was und warum du viel schreibst, versuch bitte deine Schreibarbeit so zu gestalten, dass deine physische und psychische Gesundheit sowie dein Wohlbefinden nicht gefährdet werden. In etwas sperrig spricht das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) hier von einer „menschengerechten Gestaltung von Arbeit“ (§ 2 Absatz 1 ArbSchG) (DGUV 2025). Versuch gerne, für dich Schreibbedingungen und eine Arbeitsumgebung zu schaffen, die deine Gesundheit schützen, deine Produktivität erhalten und deine Arbeitszufriedenheit bestenfalls steigern.
Hast du die notwendige Ausstattung? Das Offensichtliche zuerst: Zum Schreiben und Sichern deiner Daten brauchst du einen voll funktionstüchtigen Laptop, gerne einen großen Monitor, gerne eine Tastatur und eine Computermaus, wenn möglich, alles in ergonomischer Ausführung. Um Rückenbeschwerden vorzubeugen ist ein Bürostuhl notwendig und ein höhenverstellbarer Schreibtisch sinnvoll (nein, das Foto vom Cover ist kein geeigneter Arbeitsplatz zum Schreiben). Um die Belastung der Augen so gering wie möglich zu halten ist die Größe des Schreibtisches relevant, um genügend Abstand zum Monitor halten zu können.
Machst du genug Pausen? Wenn dich das nicht zu sehr aus der Konzentration rausholt, versuche gerne, öfter kurze Pausen zu machen: Zur Küche laufen, einen Kaffee in der Sonne trinken, sich über Wochenend- und Urlaubspläne austauschen, mal mit dem Kopf ganz woanders sein.
Hast du genug Bewegung? Einmal durchstrecken, die Schultern nach hinten kreisen lassen, kurz spazieren (gerne 7.000 Schritte) oder sogar joggen gehen – Bewegung ist nicht nur ein wichtiger Ausgleich zu all dem Sitzen, Bewegung reduziert Stress und sorgt dafür, dass du wieder mehr Energie hast, um dich zu konzentrieren und kreative Ideen zu entwickeln (Ding et. al. 2025).
Hast du ausreichend soziale Kontakte? Viele schreiben allein zuhause. Um dich weniger allein zu fühlen, versuche doch dir ab und zu (Mittags-)Pausen in Gesellschaft zu ermöglichen, egal ob digital oder analog. Raum und Zeit für Austausch und Kontakt zu Kolleg*innen und / oder Vorgesetzt*innen sind sonst wichtiger Bestandteil einer „menschengerechten Gestaltung von Arbeit“.
Gibt es etwas, was dir persönlich das Schreiben angenehmer macht? Beim Schreiben ist es noch wichtiger als bei vielen anderen Jobs, dass es dir gut geht. Überlege selbst, was dir das Schreiben besser machen könnte. Je nach Jahreszeit könnte hier selbstgemachter Eistee im Kühlschrank, eine Wärmflasche unter den Füßen oder eine Belohnung am Ende deiner Schreibwoche den Unterschied machen.
Wenn du alles hast, was du zum Schreiben brauchst, aber dir trotzdem die Motivation oder der Mut fehlt, schreib mich gerne an. Im Schreibcoaching gehen wir dem Problem auf den Grund und versuchen gemeinsam einen Plan zu machen, wie du deine Dissertation oder dein Buchprojekt dennoch fertig bekommst.
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV). 2025. „Mensch und Arbeitsplatz − Wegweiser ergonomische Arbeitsgestaltung“. https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/5025.
Ding, Ding, Binh Nguyen, Tracy Nau, Mengyun Luo, Borja del Pozo Cruz, Paddy C. Dempsey, Zachary Munn, Barbara J. Jefferis, Cathie Sherrington, Elizabeth A. Calleja, Kar Hau Chong, Rochelle Davis, Monique E. Francois, Anne Tiedemann, Stuart J. H. Biddle, Anthony Okely, Adrian Bauman, Ulf Ekelund, Philip Clare, und Katherine Owen. 2025. „Daily Steps and Health Outcomes in Adults: A Systematic Review and Dose-Response Meta-Analysis“. The Lancet Public Health 10(8): e668–81. doi:10.1016/S2468-2667(25)00164-1.
Blogbeitrag #7: Wann und wie kannst du dich am besten konzentrieren?
Ich habe für dich leider keine “Fünf Tipps, um deine Konzentration aufs nächste Level zu bringen”. Denn: Menschen sind verschieden und menschliche Gehirne arbeiten unterschiedlich. Aber vielleicht helfen dir die folgenden Fragen auch schon weiter.
Ich habe für dich leider keine “Fünf Tipps, um deine Konzentration aufs nächste Level zu bringen”. Denn: Menschen sind verschieden und menschliche Gehirne arbeiten unterschiedlich. Aber vielleicht helfen dir die folgenden zehn Fragen auch schon weiter.
Wie immer, guck einfach, was zu dir passt und was dir helfen könnte:
Gibt es eine bestimmte Uhrzeit am Tag, zu der es dir leichter fällt, zu schreiben? Kannst du dir in dieser Zeit ein Schreibfenster ermöglichen? Wenn nicht täglich, vielleicht mehrmals die Woche?
Gibt es Aktivitäten, nach denen dir das Schreiben besonders leichtfällt? Nach dem Meditieren, nach dem Waldspaziergang, direkt nach dem Sport? Versuche deine Schreibzeiten direkt nach diesen energiebringenden Tätigkeiten einzuplanen.
Gibt es etwas, was du gemacht haben musst, um konzentriert an deinem Text arbeiten zu können? Hilft es dir, ein besonders unbeliebtes To-Do erledigt zu haben, bevor du zu schreiben beginnst? Verschwindet diese Aufgabe dadurch aus deinem Kopf?
Passt deine Schreibumgebung zu dir? Falls du dich visuell leicht ablenken lässt, könnte ein aufgeräumter Schreibtisch helfen. Wenn dich kreatives Chaos inspiriert, umgebe dich gerne mit Bücherstapeln, Büromaterialien und Krimskrams.
Brauchst du zum Schreiben Hintergrundgeräusche (Café-Geplauder, Tastatur-Geklapper, White Noise) oder absolute Stille? Versuche deine Schreibsitzungen an den passenden Orten abzuhalten und kaufe dir - wenn nötig - Noise-Cancelling-Kopfhörer.
Könntest du deine noch verbleibenden Aufgaben (inkl. deiner Schreibarbeit) daran ausrichten, wieviel Energie du aktuell hast und wieviel Energie die Aufgabe dich kostet? Wenig Energie - was auch immer dir leichtfällt. Viel Energie - was auch immer dir schwerfällt. Ja, das ist nicht für jeden möglich, aber vielleicht gibt es auch in deinem Angestelltenverhältnis kleine Spielräume. (Wenn du keine Energie zum Schreiben hast, helfen auch die bisherigen Punkte nicht beim Konzentrieren.)
Helfen dir Apps, um weniger am Handy zu hängen und konzentrierter schreiben zu können? Ich habe vor kurzem die freundliche Bohne von Focus Friend kennen gelernt und lasse sie während meiner Schreibzeit friedlich Socken stricken. Das hilft nicht immer und nicht jedem, ist aber sehr charmant.
Steckt hinter dem ewigen Scrollen auf Instagram vielleicht ein echtes Bedürfnis? Falls du dich im Homeoffice nicht konzentrieren kannst, weil du ständig scrollst, weil dir eigentlich gerade Kontakt zu Menschen fehlt, lege eine Pause ein. Egal ob du deine beste Freundin kurz anrufst oder ihr eine Sprachnachricht aufnimmst, erledige das einfach kurz und mach dich danach konzentriert an die Arbeit.
Hilft es dir einen Timer zu setzen, also dein Schreibfenster absichtlich kurz zu halten, um dann konzentriert arbeiten zu müssen? Für manche wirkt ein solch künstlich erzeugter Druck wahre Wunder, für andere wirkt es eher lähmend. Probiere es gerne einmal aus.
Das Offensichtliche zuletzt: Was tust du neben dem Schreiben, neben der Arbeit, neben dem Alltag für dich? Stress reduzieren, lange schlafen, meditieren, gesund ernähren, viel bewegen, Wasser trinken und viel Zeit im Wald hilft dir dabei, deine Konzentrationsfähigkeit langsam zu steigern.
Wenn du Hilfe dabei brauchst, dich zu motivieren, dich zu konzentrieren oder deine Arbeit zu strukturieren, melde dich gerne bei mir. Wir machen zusammen einen Plan und gehen das an.
Blogbeitrag #6: Bitte promoviere (nur) für dich.
Schreib bitte mal auf, warum du promovieren möchtest (ja, gerne mit Stift und auf Papier): Was ist dein Ziel? Warum nimmst du diese Arbeit auf dich? Was möchtest du erreichen? Was wartet auf der anderen Seite auf dich?
Ganz egal, ob du am Anfang deiner Promotion stehst, im besonders anstrengenden letzten Drittel steckst oder zwischenzeitlich eine Pause einlegen musstest: Schreib bitte mal auf, warum du promovieren möchtest (ja, gerne mit Stift und auf Papier): Was ist dein Ziel? Warum nimmst du diese Arbeit auf dich? Was möchtest du erreichen? Was wartet auf der anderen Seite auf dich?
Alles ist erlaubt. Und es ist völlig in Ordnung, wenn sich so ein Ziel im Laufe der Jahre auch verändert. Es ist gut möglich, dass du anfangs das Ziel verfolgt hast, dein gewähltes Forschungsthema engagiert zu ergründen und die Grenzen des Wissens zu dem Thema zu erweitern. Und es ist ebenso möglich, dass du nach einiger Zeit nur noch das Ziel verfolgst, dieses Projekt endlich zu Ende zu bringen. Selbst wenn sich deine Motivation verändert hat und die Luft inzwischen raus ist, versuche dich daran zu erinnern, warum du diesen Weg gegangen bist. Warum wolltest du ursprünglich promovieren? Was hat dich an deinem Projekt anfangs begeistert? Wie bekommst du diesen Enthusiasmus zurück?
Ganz egal, was du dir von deinem Doktortitel erhoffst, die Hauptsache ist, dass du für dich promovierst. Bitte promoviere nicht, um anderen zu beweisen, dass du das kannst. Und nicht, um respektiert zu werden. Und nicht um andere glücklich zu machen. Mach es nur für dich. Weil du dir selbst zeigen möchtest, dass du das angefangene Projekt durchziehen kannst. Weil du weißt, dass dich dieses Promotionsthema nicht loslassen wird, wenn es in einer Schublade landet. Oder weil du als Wissenschaftlerin oder generell an einer Hochschule arbeiten möchtest, weil du Spaß an dieser Arbeit hast, weil der Doktortitel für dich und deinen weiteren Weg wichtig ist.
Je klarer du für dich hast, warum du das machst, desto „einfacher“ wird es dir fallen, dich zu motivieren, wenn es schwierig wird. Und in den meisten Fällen wird es irgendwann schwierig, weil das Verhältnis zu Doktormutter / Doktorvater vielleicht nicht so gut ist oder sich verschlechtert, weil du dich allein oder überfordert fühlst und keine Ansprechpersonen hast, die dich unterstützen, oder weil deine Stelle oder dein Stipendium ausgelaufen ist und du inzwischen eine neue Stelle aufnehmen musstest und nur noch die Feierabende und Wochenenden hast, um an deiner Promotion zu arbeiten.
Insbesondere wenn es gerade nicht gut läuft, schreib bitte auf, was dein Ziel ist.
Und dann mach einen guten Plan, wie du dahin kommst.
Wenn du Hilfe dabei brauchst, dich zu motivieren oder deine Arbeit zu strukturieren, melde dich gerne bei mir. Wir machen zusammen einen Plan und gehen das an.
Blogbeitrag #5: Wofür du auch in intensiven Schreibphasen Pausen einlegen solltest
Wer intensiv an Texten arbeitet, muss Pausen machen. Es geht ja nicht nur darum, ein Buchprojekt abzuschließen oder eine Dissertation einzureichen, sondern dabei bestenfalls glücklich und gesund zu bleiben.
Wer intensiv an Texten arbeitet, muss Pausen machen. Es geht ja nicht nur darum, ein Buchprojekt abzuschließen oder eine Dissertation einzureichen, sondern dabei bestenfalls glücklich und gesund zu bleiben. Wer ohne Pausen schreibt, kann sehr schnell Rücken-, Nacken- oder Kieferverspannungen bekommen, ein Repetitive-Strain-Injury-Syndrom (RSI-Syndrom) entwickeln oder seine mentale Gesundheit gefährden.
Nur als kurze Erläuterung, weil das RSI-Syndrom in Deutschland oft nicht zuverlässig erkannt und diagnostiziert wird: In den USA und Australien ist eine Repetitive Strain Injury (RSI) eine anerkannte Berufskrankheit, die über Monate oder Jahre durch stereotype Bewegungswiederholungen beim Schreiben, Tippen und Klicken (oder beim Häkeln oder Musikinstrument spielen) hervorgerufen werden können. Wenn es schlecht läuft, gehen solche Überlastungsschmerzen in das Schmerzgedächtnis über. Dann wird es schwierig, sowas wieder loszuwerden.
Weil es so wichtig ist, kommt daher jetzt eine Erinnerung, wofür du auch in intensiven Schreibphasen Pausen einlegen solltest:
Für Bewegung: Selbst, wenn du Bewegungseinschränkungen haben solltest, versuche unbedingt dich zu bewegen, gerne an der frischen Luft. Alles hilft - jede Stunde die Schultern nach hinten kreisen, längere Spaziergänge, regelmäßig joggen gehen, Yoga, Pilates, Fahrrad fahren oder schwimmen. Es hilft beim Kraft aufbauen, Stress abbauen und kreativ werden. Es hilft wirklich auch beim Schreiben.
Für soziale Kontakte: Wie schon erwähnt, such dir gerne eine Schreibgruppe oder ein Schreibtandem, um dich über deine Erfolge und Herausforderungen beim Schreiben auszutauschen. UND: Bitte triff dich auch mit Menschen, die absolut gar nichts mit Schreiben oder Promovieren zu tun haben. Trinkt zusammen Kaffee, kocht was Leckeres oder geht feiern. Du bist schon beim Schreiben viel allein, du brauchst Gesellschaft.
Für Selbstfürsorge & Hobbies: Nutze jede kleine Gelegenheit, dir selbst etwas Gutes zu tun, z. B. morgens ausgiebig frühstücken, gesund essen, meditieren, Häkelprojekte oder ein gutes Buch lesen. Ja, das ist im Alltag oft kaum umsetzbar, aber wenn sich für dich die Chance auf Entspannung bietet, nutze sie bitte sofort. Im Dauerstress kommst du nicht an dein Ziel.
Für Kunst, Kultur & Zerstreuung: Jetzt ein ganz verrückter Vorschlag. Du könntest mal wieder ins Museum gehen, einen Podcast zu Wissenschaft, Kultur oder Geschichte hören, selbst kreativ werden oder kurz: Dich einfach mal mit anderen Themen beschäftigen, die nichts mit deinem Buchprojekt oder Promotionsthema zu tun haben. Sich auf neue Inhalte einzulassen, kann dabei helfen, ganz neue Ideen zu entwickeln.
Für absolutes Nichtstun: Ich weiß, spätestens jetzt wird es unglaubwürdig, aber du könntest dir vornehmen, einfach mal gar nichts zu machen. Auf einer Wiese liegen und in den Himmel gucken. Leicht wippend auf einem Schaukelstuhl den Sonnenuntergang genießen. Oder auf einer Bank am Rhein sitzen und den Schiffen zuschauen, wie sie in Richtung Nordsee kleiner werden. Höchstens atmen.
Wenn du Hilfe dabei brauchst, deine Schreibarbeit zu planen, strukturiert zu arbeiten und konsequent Pausen einzulegen, melde dich gerne bei mir. Im Schreibcoaching analysieren wir deine bisherige Schreibroutine und gucken, wie wir deine Arbeitsweise anpassen können, um dir mehr Pausen zu ermöglichen. Ich freue mich auf dich und dein Projekt.
Blogbeitrag #4: Fünf gute Gründe, deinen Schätzen mehr Aufmerksamkeit zu schenken
Wenn Bücher deine Lieblingsgegenstände sind, mach Platz für noch mehr Bücherregale, umgebe dich mit Büchern wie mit Freunden, setz deine liebsten Ausgaben in Szene, nutze Bücherleisten wie Kunst an den Wänden und teil deine Begeisterung mit deinem Besuch.
Es ist im Grunde egal, ob du – wie der US-Blogger und Minimalist Dave Bruno – mit nur 100 Teilen dein Leben bestreiten möchtest (Bruno 2010) oder mit den vielzitierten 10.000 Dingen, die ein durchschnittlicher Europäer angeblich besitzt (Vogt 2022). Die Hauptsache ist, dass du dich in deinem Zuhause wohlfühlst, den Überblick über deinen Besitz nicht verlierst und einen guten Platz für deine Lieblingsgegenstände und Schätze findest - du brauchst nicht weniger davon, sondern mehr Platz dafür.
Lieblingsgegenstände sind für mich Gegenstände einer bestimmten Kategorie, die einen besonders glücklich machen: Zum Beispiel Bücher, Bastel- oder Kochutensilien, was auch immer dich begeistert. Schätze sind innerhalb dieser Kategorien nochmal Dinge, die eine besondere Geschichte haben: Das kann eine besonders schöne Ausgabe von Charles Dickens’ Große Erwartungen sein (Dickens [1861] 2012) oder die erste Spindel, mit der du deine Begeisterung fürs Spinnen entdeckt hast, oder die Topflappen deiner Oma.
Drei Beispiele, wie du deine Lieblingsgegenstände und Schätze gebührend feiern und in Szene setzen könntest:
Wenn Bücher deine Lieblingsgegenstände sind, mach Platz für noch mehr Bücherregale, umgebe dich mit Büchern wie mit Freunden, setz deine liebsten Ausgaben in Szene, nutze Bücherleisten wie Kunst an den Wänden und teil deine Begeisterung mit deinem Besuch. Bitte mach das alles, aber lagere nicht noch mehr und mehr Bücher in ungeöffneten Umzugskartons, lass sie nicht im Keller oder auf dem Dachboden, bis sie Feuchtigkeitsschäden bekommen, und bitte stapele sie nicht in zweiter und dritter Reihe in den Fußräumen von antiken Kommoden (ja, auch das habe ich schon gesehen). Wenn die Bücher dir etwas bedeuten, hebe sie so auf, dass du weißt, wo sie sind, dass du sie in die Hand nehmen kannst, wenn du das brauchst und dass du sie jederzeit verleihen kannst, wenn du das möchtest.
Wenn Handarbeits- und Bastelutensilien deine Lieblingsgegenstände sind, besorge dir Ordnungshelfer, in denen du alles übersichtlich aufbewahren kannst. Überlege dir, ob und wie du deinen fertigen Projekten eine Bühne bereiten möchtest und ob eine Kiste mit angefangenen Projekten die Wahrscheinlichkeit erhöht, diese noch einmal anzugehen und fertig zu bekommen. Lass dich nicht von Ordnungstrends irritieren – wenn das Basteln deine Leidenschaft ist, behalte bitte alle deine Bastelsachen. Und: In einer Bastelstube, einer Werkstatt oder einem Atelier darf es wild aussehen, solange du darin Inspiration findest. Vielleicht könntest du in deinem Freundeskreis Kaffeeklatsch mit Filzarbeit verbinden und dein Können (und deine riesige Sammlung an Bastelutensilien) teilen.
Wenn das Kochen und das Backen zu deinen Lieblingsbeschäftigungen gehören, behalte bitte deine Nudelmaschine, deinen Gärkorb, die Spätzlepresse und die vielen Ausstechformen. Mach Platz dafür in deinen Schränken. Sorge dafür, dass du überall gut drankommst und alles funktionstüchtig und einsatzbereit ist. Es geht nicht darum, wenig zu besitzen, sondern möglichst das zu besitzen, was dich glücklich macht. Vielleicht kochst du lieber, wenn die Arbeitsflächen frei sind. Versuch für deine Kochutensilien Platz zu schaffen – entweder Unnötiges auszusortieren oder neue Aufbewahrungssysteme bis unter die Decke zu installieren. Versuch dir durch Ordnung und Wegräum-Routinen deine perfekte Kochumgebung zu erschaffen.
Warum du deinen Lieblingsgegenständen, Schätzen und Hobbies ruhig mehr Aufmerksamkeit schenken darfst? Hier kommen fünf gute Gründe (von vielen):
Mehr Zufriedenheit: Der Fokus auf liebgewonnene Dinge, die dir bereits gehören, steigert die Zufriedenheit. Du könntest dir bewusst machen, was du alles schon besitzt und deinen Schätzen im Alltag noch mehr Zeit und Raum geben.
Mehr Klarheit: Die Auseinandersetzung mit alten Schätzen hilft dir zu erkennen, was mit auf die Reise darf. Kurz innehalten und überlegen, welche dieser früheren Schätze (immer noch) wertvoll sind und dich auch in Zukunft begleiten dürfen. Es ist in Ordnung, wenn einzelne Teile an Bedeutung verloren haben.
Weniger (unnütze) Dinge: Wenn du deinen Schätzen mehr Aufmerksamkeit schenkst, wird dir schnell klar, welche anderen Dinge weniger Raum einnehmen sollten. Um Platz zu schaffen für deine Hobbies und Schätze, wirst du dich automatisch von unnützen Gegenständen trennen.
Mehr Wertschätzung: Wenn du deine Schätze gut pflegst und – wenn notwendig – immer wieder selbst reparierst, entwickelst du eine besondere Beziehung zu deinen Dingen insgesamt. Diese Art von Wertschätzung könnte dir dabei helfen, unnötigen bzw. ungewollten Konsum in Zukunft zu verhindern.
Mehr Glück: Wenn du dich intensiv mit deinen Lieblingsgegenständen beschäftigst, deine Zeit also mit Dingen und Hobbies füllst, die dich glücklich machen, verbringst du weniger Zeit am Handy, bist bestenfalls im Austausch mit Gleichgesinnten und machst aktiv etwas für dich und deine Gesundheit.
Für manche Menschen ist es schwierig zu entscheiden, welche Dinge einen Wert für sie haben und welche Dinge wegdürfen. Falls du dir Hilfe dabei wünschst, solche Entscheidungen zu treffen oder deine Schätze besonders gelungen in Szene zu setzen, melde dich gerne bei mir. Zusammen gehen wir das an.
Bruno, Dave. 2010. The 100 Thing Challenge: How I Got Rid of Almost Everything, Remade My Life, and Regained My Soul. New York: Harper.
Dickens, Charles. [1861] 2012. Great Expectations. The Penguin English Library. Penguin Books Ltd (UK).
Vogt, Jonas. 2022. „Besitzen wir wirklich 10.000 Dinge?“ Der Standard, Januar 23.
Blogbeitrag #3: Zehn Ordnungsziele, die du dir in diesem Jahr vornehmen könntest
Fang klein an, formulier ein realistisches Ordnungsziel, das du nächste Woche, nächsten Monat oder in diesem Jahr erreicht haben möchtest. Schreib es bitte auf; ja, mit Stift und Papier.
„Schreibziele verstehe ich – aber was bitte sind Ordnungsziele?“
Im Grunde hat fast jede*r Dinge in seinem oder ihrem Leben, die er oder sie endlich angehen und in Ordnung bringen möchte. Das nenne ich Ordnungsziele: Endlich seinen Papierkram sortieren und ordentlich abheften, endlich einmal alle Kisten aus dem Keller oder Dachboden sichten und leerräumen oder endlich einmal die Massen an Fotos oder E-Mails sichten und löschen, sodass nur noch wichtige Informationen und schöne Erinnerungsfotos bleiben.
Wichtig ist hierbei nur, dass du dir – insbesondere am Anfang – nicht zu viel auf einmal vornimmst. Fang klein an, formulier ein realistisches Ordnungsziel, das du nächste Woche, nächsten Monat oder in diesem Jahr erreicht haben möchtest. Schreib es bitte auf; ja, mit Stift und Papier. Das hat nichts mit manifestieren oder Zauberei zu tun: Wenn du dein Ziel in Worte fasst und niederschreibst und es bestenfalls auch noch hin und wieder vor Augen hast, erhöht sich die Chance, dass du auch wirklich anfängst.
Hier kommen zehn Ordnungsziele, die du in diesem Jahr angehen (und erreichen) könntest:
Nimm deine Finanzen in Angriff: Versuch doch mal, dir in diesem Jahr einen Überblick über deine Finanzen zu verschaffen. Führe ein Haushaltsbuch, hör einen Finanz-Podcast*, mach den ersten Schritt in Richtung Altersvorsorge, Vermögensaufbau oder finanzielle Unabhängigkeit.
Sortiere deinen Kleiderschrank aus: Du könntest dir vornehmen, am Ende des Jahres nur noch Kleidungsstücke in deinem Schrank zu haben, die dir passen, sich gut anfühlen und die du wirklich trägst.
Fang an, Dinge zu reparieren: Wenn es dir schwerfällt, defekte Gegenstände wegzuschmeißen, weil du sie ja noch reparieren könntest, nimm dir in diesem Jahr vor, sie in kürzester Zeit wirklich zu reparieren (und wieder zu nutzen) – Du selbst, mit Hilfe von Freund*innen oder im Repair Café.
Setz dir kürzere Lagerfristen für aussortierte Dinge: Du könntest dir vornehmen, in diesem Jahr aussortierten Kram innerhalb kurzer Zeit loszuwerden – egal ob du sie spendest, verkaufst oder entsorgst. Setz dir eine zeitliche Begrenzung, wie lange diese Kisten noch zuhause rumstehen dürfen und dann schaffe sie wirklich aus dem Haus. Mehr Raum für dich.
Vertrau dich anderen an: Falls du in letzter Zeit häufig das Gefühl hattest, dass das Chaos in deinen vier Wänden überhandnimmt, versuch dich jemandem in deinem Familien- oder Freundeskreis anzuvertrauen. Vielleicht hilft es dir schon, dich mitzuteilen und zu hören, dass das anderen auch so geht. Allein darüber zu reden könnte ein Ziel sein.
Versuch nicht gleich Neues zu kaufen: Wenn es dir bereits gelungen ist, auszusortieren und Platz zu schaffen, versuch gerne einmal für eine längere Zeit nichts Neues nachzukaufen. Genieße erstmal, Platz zu haben.
Mach die letzten Umzugskartons leer: Du könntest dir vornehmen, in diesem Jahr die letzten Umzugskartons zu sichten und zu entscheiden, was davon noch wichtig ist (es gibt sie wirklich, diese Umzugskartons; lass die Dinge da raus, verabschiede dich, sie dürfen in den meisten Fällen weiterziehen und woanders tatsächlich genutzt werden).
Gib dein Zeug nicht an deine Liebsten weiter: Versuch in diesem Jahr gerne einmal, Dinge, die du aussortiert hast, nicht innerhalb deines Freundes- oder Familienkreises weiterzugeben. Ja, klar, wenn du komplett sicher bist, dass die besagte Person es gerne hätte oder braucht, dann ja. In vielen Fällen tust du der Person damit aber keinen Gefallen, insbesondere wenn sie selbst Schwierigkeiten hat, „nein“ zu sagen oder Dinge loszuwerden.
Sortiere gerne die Unmengen an digitalen Daten aus: Das könnte bedeuten, in diesem Jahr verwackelte und ungesehene Urlaubsbilder auszusortieren, E-Mails zu löschen oder deine abgespeicherten Dateien in Ordnung zu bringen.
Lass Unangenehmes ziehen: Wenn dir bestimmte Erinnerungsstücke kein gutes Gefühl geben, wie z. B. Freundebücher aus einer (nicht so glücklichen) Grundschulzeit, versuch sie in diesem Jahr gehen zu lassen. Das ist nicht leicht, könnte aber wohltuend und heilsam sein.
Falls es dir schwerfällt, das Thema Ordnung anzugehen und du dir Unterstützung dabei wünschst, melde dich gerne bei mir. Um den ersten Schritt zu tun, könntest du dich per E-Mail zu meinen Ordnungswochen anmelden, um einmal im Monat mit mir in den Austausch zu kommen, Ziele zu formulieren und dranzubleiben.
* Kleine Podcast-Empfehlung: https://howimetmymoney.de/ mit Lena Kronenbürger und Ingo Schröder - insbesondere alle Folgen, in denen die Psychologin Monika Müller zu Gast ist.
Blogbeitrag #2: Warum es sich lohnt, zusammen zu schreiben
Seitdem es Menschen gibt, die schreiben, gibt es Menschen, die zusammen schreiben.
Seitdem es Menschen gibt, die schreiben, gibt es Menschen, die zusammen schreiben. Schon in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts haben sich Studierende an Universitäten in sogenannten literarischen Gesellschaften (engl. literary societies) zusammengeschlossen, um sich gegenseitig ihr Geschriebenes vorzutragen, zu verbessern und ihre Schreibkompetenzen auszubauen (Gere 1987). Diese literarischen Gesellschaften, allen voran der legendäre Spy Club, der im Jahr 1719 an der Harvard University gegründet wurde, sind die Vorgänger der akademischen Schreibgruppen, wie wir sie heute kennen.
Für Studierende und Doktorand*innen gibt es heute an den meisten Universitäten und Hochschulen in Deutschland fest etablierte Graduierten-Akademien oder Schreibzentren, in denen Kurse zu Publikationsstrategien oder Schreibtechniken, individuelle Beratungen und Schreib-Veranstaltungen angeboten werden. In Schreib-Cafés, in der „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ und ähnlichen Formaten schließen sich akademische Schreibgruppen in Präsenz oder online zusammen, um konzentriert zusammen zu schreiben. Schreib-Tandems, also der Zusammenschluss von zwei Studierenden oder Doktorand*innen, oder die Teilnahme an sogenannten Schreibwochen sollen die Teilnehmenden zum Fertigschreiben motivieren, ihnen die Angst vorm Schreiben nehmen und vor allem Spaß machen.
Für Autor*innen gibt es die Möglichkeit, sich offenen Schreibgruppen in Literaturbüros oder Literaturhäusern anzuschließen, eine eigene private Schreibgruppe zu gründen (Elling 2024) oder – falls möglich – Schreibreisen an inspirierende Orte zu machen: Zum Beispiel einen Songwriting-Kurs im schottischen Moniack Mhor zu besuchen, an einer Lyrik-Werkstatt in Worpswede teilzunehmen oder sich auf einem Schreibretreat in der Toskana vollkommen auf das eigene Schreiben zu konzentrieren.
Aber warum lohnt es sich, sich Gleichgesinnte zu suchen und zusammen zu schreiben?
Zugehörigkeit stärken, Zusammenhalt erfahren: Wenn du schreibst, bist du viel allein – mit deinem Rechner, mit Stift und Papier, mit deiner Angst vor dem leeren Blatt und auch mit deinen Erfolgen. In einer Schreibgruppe hast du einen Ort, um Rückschritte offen anzusprechen und Fortschritte zu feiern. Das hilft dir, dich auch an deinem Schreibtisch weniger allein zu fühlen.
Frust ablassen, Gehör finden: Wenn du deiner Schreibgruppe Schwierigkeiten anvertraust, wirst du schnell merken, dass es den anderen ganz genauso geht. Vielleicht bekommst du direkt hilfreiche Ratschläge, vielleicht es hilft dir auch schon, Probleme in der Gruppe zu besprechen, um selbst auf Lösungen zu kommen.
Sich gegenseitig motivieren und bestärken: Es kann sehr motivierend sein, innerhalb einer Schreibgruppe über deine eigenen Erfolge zu sprechen – für dich, weil es Zuspruch geben wird, und für die anderen, weil es ihnen hilft, selbst dranzubleiben und ihre eigenen Schreibziele im Blick zu behalten.
Voneinander lernen, sich verbessern: Du kannst in einer Schreibgruppe deinen eigenen Schreibprozess reflektieren und von den Erfahrungen und Ratschlägen der anderen Teilnehmer*innen profitieren. Durch die Tipps aus der Gruppe, aber auch dadurch, dass Du selbst regelmäßig Feedback gibst, wirst du deine Schreibfähigkeiten verbessern.
Zeitplanung besprechen, sich realistische Ziele setzen lernen: Wenn du in deiner Schreibgruppe Ziele formulierst (und aufschreibst!), die du bis zum nächsten Treffen erreicht haben möchtest, hast du in deiner Schreibzeit zuhause im Hinterkopf, dass deine Gruppe fragen wird, ob du deine Ziele erreicht hast. Dieser gewisse Druck hilft vielen dabei, am Ball zu bleiben und sich nach und nach realistischere Ziele zu setzen, Hindernisse vorherzusehen und vorab Lösungen für mögliche Hürden zu finden.
Falls es bei dir in der Gegend keine passenden Schreibangebote gibt oder du zum Schreiben absolute Ruhe brauchst, also zusammen schreiben in Präsenz oder mit laufender Kamera nicht gut funktionieren, melde dich gerne per E-Mail zu meinen Schreibwochen an. Die Teilnahme beinhaltet jeweils die Zusendung zweier Fragebögen, um sich vorab Schreibziele zu setzen, in der besagten Woche konzentriert zu schreiben und anschließend über die eigenen Schreibfortschritte zu reflektieren. Vielleicht hilft dir das dabei, den Anfang zu finden oder dranzubleiben.
Elling, Britta. 2024. „Wie gründe ich eine Schreibgruppe? 6 wichtige Tipps und Grundlagen für die Gründung einer privaten Schreibgruppe“. https://federreiter.de/wie-gruende-ich-eine-schreibgruppe/thema.
Gere, Anne Ruggles. 1987. Writing Groups: History, Theory, and Implications. Carbondale: Southern Illinois University Press.
Akademische Schreibangebote (Auswahl):
Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten - 2026 | TU Chemnitz
(Schreib-)Angebote für Studierende und Promovierende | Universität Tübingen
Schreibcafé | Zentrum für Wissenschaftsdidaktik | Ruhr-Universität Bochum
Schreibtreffen, Schreibretreats, Schreibreisen (Auswahl):
Offene Schreibgruppe | Literaturbüro NRW (lief bis 12/2025, wird ggf. verlängert)
Offene Werkstatt | Literaturhaus München
Moniack Mhor – Scotland's Creative Writing Centre (unbezahlte, unbeauftragte Werbung)
Schreibkurse & Schreibreisen | Textmanufaktur (unbezahlte, unbeauftragte Werbung)
Blogbeitrag #1: Fünf gute Gründe, noch heute mit Free Writing anzufangen
Die Idee, ohne nachzudenken einfach drauf loszuschreiben, ist nicht neu, aber sie ist fabelhaft.
Was ist Free Writing?
Free Writing oder Freies Schreiben kommt aus dem Methodenkosmos des kreativen Schreibens. Es funktioniert wie folgt: Du setzt dich hin und schreibst einfach drauf los – ohne nachzudenken, ohne zu korrigieren und ohne zu stoppen, um das Geschriebene zu lesen. Am besten früh morgens, am besten per Hand, am besten jeden Tag. Und jetzt kommst du. Du kannst selbst einschätzen, ob morgens deine favorisierte Zeit zum Schreiben ist, ob du lieber per Hand oder mit einer Tastatur schreibst und ob du es jeden Tag schaffst oder eher nur montags bis freitags. Du kannst festlegen, ob du jeden Tag zehn Minuten oder drei Seiten oder eine Stunde schreiben möchtest. Es ist alles erlaubt. Hauptsache, du schreibst.
Woher kommt die Idee des Free Writing?
Die Idee, ohne nachzudenken einfach drauf loszuschreiben, ist nicht neu, aber sie ist fabelhaft. Sie stammt von Dorothea Brande, die in ihrem Buch Becoming a Writer im Jahr 1934 ihre Leser*innen dazu aufrief, eine halbe oder ganze Stunde eher aufzustehen, um zu schreiben. Egal was. Ihr Ziel war es, angehenden Autor*innen zu helfen, ihr Unterbewusstsein mit dem schreibenden Arm zu verbinden; ihr Unterbewusstsein also auf das Papier fließen zu lassen (Brande 1934: 47ff.). Die Anzahl der geschriebenen Seiten war ihr nicht wichtig, nur dass man vorher absolut nichts anderes tun sollte – nichts lesen, nicht sprechen.
Berühmt wurde diese Übung erst viele Jahre später als der Universitätsprofessor Ken Macrorie in seinem Buch Uptaught davon berichtete, wie er sich an einem kalten Wintertag an Brandes Schreibübung erinnerte und daraufhin seine Studierenden wegschickte mit der Aufforderung, nach Hause zu gehen, sich hinzusetzen und einfach drauflos zu schreiben. Zehn Minuten am Stück oder bis zum Ende der ersten Seite (Macrorie 1970: 20ff.). Er fand für diese Schreibübung die eingängige Bezeichnung Free Writing und ebnete ihr damit den Weg in alle erdenklichen Anwendungsbereiche: In den darauffolgenden Jahren trugen Anglist*innen und Schreibdidaktiker*innen wie Peter Elbow (Elbow 1973), erfolgreiche Autor*innen wie Natalie Goldberg (Goldberg 1986) und die sogenannte „Queen of change“ Julia Cameron (Cameron 1992) die Free Writing-Methode in die ganze Welt. Das Besondere an der Methode ist, dass sie nicht nur Menschen hilft, die beruflich oder privat schreiben wollen; sie hilft auch Menschen, die Schwierigkeiten haben, sich zu fokussieren, Menschen, die ein geringes Selbstbewusstsein haben und Menschen, die Neues ausprobieren und sich kreativ ausleben wollen.
Warum du mit einem Stift in der Hand in den Tag starten solltest? Hier kommen fünf gute Gründe, noch heute mit Free Writing anzufangen:
1. Um Ballast abzuwerfen. Es ist möglich, dass sich deine ersten Gedanken des Tages nur um deinen Haaransatz oder körperliche Beschwerden drehen oder du nur zu Papier bringst, wie du dich bei den wenig wertschätzenden Bemerkungen von Kolleg*innen gestern gefühlt hast. Schreib alles auf, was dich bedrückt, erfreut oder was du beim letzten Arzttermin oder Elternsprechtag vergessen hast, zu sagen. Schreib alles auf, um es aus dem Kopf zu haben und loszuwerden.
2. Um vergessene Einfälle wieder ins Gedächtnis zu locken und neue Ideen zu entwickeln. Ja, beim Free Writing landet auch viel Nonsens auf dem Papier, aber du wirst überrascht sein, wie viele Ideen bei dieser Übung aus den hintersten Ecken deines Gedächtnisses wieder hervorkommen und wie du zum Teil neue Ideen dabei entwickelst, ohne es zu wollen oder zu müssen (zur Erinnerung: Du erlaubst dir einfach draufloszuschreiben und musst gar nichts).
3. Um deinen Schreibmuskel zu trainieren. Du lernst, dass es möglich ist, für eine lange Zeit am Stück zu schreiben. Zu wissen, dass du das kannst, ist eine wertvolle Ressource. Es ist vergleichbar mit jemanden, der bereits einen Halbmarathon zu Ende gelaufen ist. Die Person wird beim nächsten Laufwettbewerb exakt daran zurückdenken und ein gewisses Vertrauen in sich und die eigenen Fähigkeiten haben. Also schreib drauf los und gerne jeden Tag etwas länger.
4. Um zu merken, dass du immer schreiben kannst. Für die Autorin und Künstlerin Julia Cameron gehörte es lange Zeit zum Schreiben dazu, zu trinken. Als sie mit 30 Jahren entschloss, mit dem Alkoholkonsum aufzuhören, musste sie für sich Wege finden, nüchtern Texte aufs Papier zu bringen – ohne Hemmungen und ohne Angst. Ihr morgendliches Schreibritual, morgens konsequent drei sogenannte Morning Pages zu schreiben, half ihr dabei. Wenn du dich jeden Morgen dazu zwingst, etwas zu Papier zu bringen, lernst du sehr schnell, dass du dafür nicht in der richtigen Stimmung, angetrunken oder gut gelaunt sein musst. Du kannst immer schreiben.
5. Um deinen inneren Kritiker zum Schweigen zu bringen. Das ist der wichtigste Grund, um mit dem Free Writing anzufangen. Weil es beim Freien Schreiben keinerlei Regeln gibt, kannst du nichts falsch machen. Das allein ist ein Geschenk. Du könntest wie wild Lieblingsrezepte aus deiner Kindheit auflisten, deinem Ärger über unfreundliche Begegnungen Luft machen oder auch nur etwas zeichnen oder kritzeln. Tatsächlich spricht Julia Cameron in ihrer Anleitung zur Aktivierung der eigenen Kreativität nicht davon, dass du Morning Pages „schreiben“ sollst, sondern, dass du sie „machen“ sollst – egal wie, alles ist erlaubt. Anschließend brauchst du mit den Seiten rein gar nichts zu machen – sie sind nicht zum Lesen bestimmt, sie sind eher eine Abladestation für Gedanken, die sonst deinen Alltag, dein Schreibprojekt oder deine Kreativität überschattet hätten.
Ich freue mich, wenn du noch heute anfängst, frei zu schreiben. Egal ob du promovieren, fokussierter arbeiten oder dir mehr Kreativität zutrauen möchtest: Fang einfach an, zu schreiben. Melde dich gerne per E-Mail bei mir, falls du dabei Unterstützung brauchst.
Brande, Dorothea. 1934. Becoming a Writer. New York: Harcourt, Brace and Company.
Cameron, Julia. 1992. The Artist’s Way - A spiritual path to higher creativity. New York: Jeremy P. Tarcher / Putnam.
Elbow, Peter. 1973. Writing Without Teachers. London: Oxford University Press.
Goldberg, Natalie. 1986. Writing down the bones - Freeing the writer within. Boston: Shambhala Publications, Inc.
Macrorie, Ken. 1970. Uptaught. New York: Hayden Book Company Inc.