Blogbeitrag #4: Fünf gute Gründe, deinen Schätzen mehr Aufmerksamkeit zu schenken

Es ist im Grunde egal, ob du – wie der US-Blogger und Minimalist Dave Bruno – mit nur 100 Teilen dein Leben bestreiten möchtest (Bruno 2010) oder mit den vielzitierten 10.000 Dingen, die ein durchschnittlicher Europäer angeblich besitzt (Vogt 2022). Die Hauptsache ist, dass du dich in deinem Zuhause wohlfühlst, den Überblick über deinen Besitz nicht verlierst und einen guten Platz für deine Lieblingsgegenstände und Schätze findest - du brauchst nicht weniger davon, sondern mehr Platz dafür.

Lieblingsgegenstände sind für mich Gegenstände einer bestimmten Kategorie, die einen besonders glücklich machen: Zum Beispiel Bücher, Bastel- oder Kochutensilien, was auch immer dich begeistert. Schätze sind innerhalb dieser Kategorien nochmal Dinge, die eine besondere Geschichte haben: Das kann eine besonders schöne Ausgabe von Charles Dickens’ Große Erwartungen sein (Dickens [1861] 2012) oder die erste Spindel, mit der du deine Begeisterung fürs Spinnen entdeckt hast, oder die Topflappen deiner Oma.

Drei Beispiele, wie du deine Lieblingsgegenstände und Schätze gebührend feiern und in Szene setzen könntest:

Wenn Bücher deine Lieblingsgegenstände sind, mach Platz für noch mehr Bücherregale, umgebe dich mit Büchern wie mit Freunden, setz deine liebsten Ausgaben in Szene, nutze Bücherleisten wie Kunst an den Wänden und teil deine Begeisterung mit deinem Besuch. Bitte mach das alles, aber lagere nicht noch mehr und mehr Bücher in ungeöffneten Umzugskartons, lass sie nicht im Keller oder auf dem Dachboden, bis sie Feuchtigkeitsschäden bekommen, und bitte stapele sie nicht in zweiter und dritter Reihe in den Fußräumen von antiken Kommoden (ja, auch das habe ich schon gesehen). Wenn die Bücher dir etwas bedeuten, hebe sie so auf, dass du weißt, wo sie sind, dass du sie in die Hand nehmen kannst, wenn du das brauchst und dass du sie jederzeit verleihen kannst, wenn du das möchtest.

Wenn Handarbeits- und Bastelutensilien deine Lieblingsgegenstände sind, besorge dir Ordnungshelfer, in denen du alles übersichtlich aufbewahren kannst. Überlege dir, ob und wie du deinen fertigen Projekten eine Bühne bereiten möchtest und ob eine Kiste mit angefangenen Projekten die Wahrscheinlichkeit erhöht, diese noch einmal anzugehen und fertig zu bekommen. Lass dich nicht von Ordnungstrends irritieren – wenn das Basteln deine Leidenschaft ist, behalte bitte alle deine Bastelsachen. Und: In einer Bastelstube, einer Werkstatt oder einem Atelier darf es wild aussehen, solange du darin Inspiration findest. Vielleicht könntest du in deinem Freundeskreis Kaffeeklatsch mit Filzarbeit verbinden und dein Können (und deine riesige Sammlung an Bastelutensilien) teilen.

Wenn das Kochen und das Backen zu deinen Lieblingsbeschäftigungen gehören, behalte bitte deine Nudelmaschine, deinen Gärkorb, die Spätzlepresse und die vielen Ausstechformen. Mach Platz dafür in deinen Schränken. Sorge dafür, dass du überall gut drankommst und alles funktionstüchtig und einsatzbereit ist. Es geht nicht darum, wenig zu besitzen, sondern möglichst das zu besitzen, was dich glücklich macht. Vielleicht kochst du lieber, wenn die Arbeitsflächen frei sind. Versuch für deine Kochutensilien Platz zu schaffen – entweder Unnötiges auszusortieren oder neue Aufbewahrungssysteme bis unter die Decke zu installieren. Versuch dir durch Ordnung und Wegräum-Routinen deine perfekte Kochumgebung zu erschaffen.

Warum du deinen Lieblingsgegenständen, Schätzen und Hobbies ruhig mehr Aufmerksamkeit schenken darfst? Hier kommen fünf gute Gründe (von vielen):

  1. Mehr Zufriedenheit: Der Fokus auf liebgewonnene Dinge, die dir bereits gehören, steigert die Zufriedenheit. Du könntest dir bewusst machen, was du alles schon besitzt und deinen Schätzen im Alltag noch mehr Zeit und Raum geben.

  2. Mehr Klarheit: Die Auseinandersetzung mit alten Schätzen hilft dir zu erkennen, was mit auf die Reise darf. Kurz innehalten und überlegen, welche dieser früheren Schätze (immer noch) wertvoll sind und dich auch in Zukunft begleiten dürfen. Es ist in Ordnung, wenn einzelne Teile an Bedeutung verloren haben.

  3. Weniger (unnütze) Dinge: Wenn du deinen Schätzen mehr Aufmerksamkeit schenkst, wird dir schnell klar, welche anderen Dinge weniger Raum einnehmen sollten. Um Platz zu schaffen für deine Hobbies und Schätze, wirst du dich automatisch von unnützen Gegenständen trennen. 

  4. Mehr Wertschätzung: Wenn du deine Schätze gut pflegst und – wenn notwendig – immer wieder selbst reparierst, entwickelst du eine besondere Beziehung zu deinen Dingen insgesamt. Diese Art von Wertschätzung könnte dir dabei helfen, unnötigen bzw. ungewollten Konsum in Zukunft zu verhindern.

  5. Mehr Glück: Wenn du dich intensiv mit deinen Lieblingsgegenständen beschäftigst, deine Zeit also mit Dingen und Hobbies füllst, die dich glücklich machen, verbringst du weniger Zeit am Handy, bist bestenfalls im Austausch mit Gleichgesinnten und machst aktiv etwas für dich und deine Gesundheit.

Für manche Menschen ist es schwierig zu entscheiden, welche Dinge einen Wert für sie haben und welche Dinge wegdürfen. Falls du dir Hilfe dabei wünschst, solche Entscheidungen zu treffen oder deine Schätze besonders gelungen in Szene zu setzen, melde dich gerne bei mir. Zusammen gehen wir das an.

 

Bruno, Dave. 2010. The 100 Thing Challenge: How I Got Rid of Almost Everything, Remade My Life, and Regained My Soul. New York: Harper.

Dickens, Charles. [1861] 2012. Great Expectations. The Penguin English Library. Penguin Books Ltd (UK).

Vogt, Jonas. 2022. „Besitzen wir wirklich 10.000 Dinge?“ Der Standard, Januar 23.

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