Blogbeitrag #26: Was dir helfen könnte, wenn du „nebenbei“ promovierst

Der Titel ist absichtlich vorsichtig formuliert.

Ich weiß, Blogtitel müssten eigentlich reißerischer sein, um angeklickt zu werden: „Wenn du „nebenbei“ promovieren willst, musst du xyz machen“, „Du schaffst es nicht, „nebenbei“ zu promovieren, weil du xyz nicht machst“, „Wenn du immer noch denkst, xyz würde dir helfen, deine Promotion abzuschließen, wird das nichts“.

Das ist aber nicht meine Art und ich habe sehr viel Respekt vor allen, die versuchen, „nebenbei“ zu promovieren.

Mit „nebenbei“ promovieren meine ich, zu versuchen, neben Berufstätigkeit, Care-Arbeit und / oder Pflegeverantwortung zu promovieren. Die Ausgangssituationen dieser Doktorand*innen sind individuell unterschiedlich und es sind durchweg kompetente Menschen, die sehr gut einschätzen können, was Ihnen helfen könnte und was nicht.

Falls du gerade auch “nebenbei” promovierst, lies dir die folgenden Impulse gerne durch und schreibe mir eine E-Mail, ob sie hilfreich waren, welche du anwenden konntest und was dir in deiner Situation sonst noch helfen würde. Ich höre zu und freue mich darauf, mich mit dir zu diesem Thema auszutauschen.

  1. Mach dir einen Plan+: Entwickle nicht nur einen detaillierten Zeit- und Arbeitsplan mit den Einzelschritten, die du erreichen möchtest. Überlege dir für jeden einzelnen Schritt, wer oder was dich dabei unterstützen könnte, es zu schaffen: Welcher Input, welcher Austausch, welche Belohnung am Horizont. Überlege dir, was du brauchst, um deine Teilziele und dein großes Ziel zu erreichen.

  2. Versuche, deinen inneren Kritiker nicht zu ignorieren: Manchmal wird der innere Kritiker lauter, je weniger Beachtung du ihm schenkst. Daher: Versuche aus jedem „Ich schaffe das nicht“ ein „Ein Teil von mir denkt, dass ich es nicht schaffen kann“ zu machen. Dieser kleine Zwischenschritt aus der Teile-Arbeit der systemischen Beratung kann bereits dabei helfen, einen gelasseneren Umgang mit dem inneren Kritiker zu finden bis hin zu einem „Ein Teil von mir denkt, dass ich es nicht schaffen kann. Dem muss ich aber nicht glauben.“

  3. Es ist ein guter Zeitpunkt, um deine negative Selbstbewertung in den Griff zu bekommen: Es liegt nicht bei jedem, der ab und zu an sich zweifelt, das Imposter-Phänomen vor. Aber falls dich das Gefühl oder die Angst, als Hochstapler*in entlarvt zu werden, ständig begleitet, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Wenn es dir schwerfällt, Komplimente anzunehmen oder deine eigenen Leistungen realistisch einzuordnen, schreibe ein Erfolgstagebuch und sprich vor allem mit anderen darüber. Du bist mit diesen Sorgen nicht allein.

  4. Sage öfter „nein“, um dir mehr Zeit zu verschaffen: Das gilt für freiwillige Firmenevents, die nicht wichtig sind, genauso wie für Verabredungen, die dir mehr Energie rauben als sie dir geben. Zeit ist in deiner Situation – neben Gesundheit – das wichtigste Gut. Wenn dir das schwerfällt, weil du dir Sorgen machst, wie deine Absagen auf dein Umfeld wirken könnten, denk dran: Es wird auch eine Zeit nach der Abgabe deiner Dissertation geben – verweise ruhig darauf. Jetzt brauchst du Zeit zum Schreiben und Zeit für dich.

  5. Gib Motivationstechniken eine zweite Chance: Es fühlt sich ungewohnt an, sich vorzustellen, es zu schaffen? Kreiere dieses Bild trotzdem vor deinem inneren Auge - immer und immer wieder. Das Thema Schreibtischmotivation wirkt befremdlich? Unterschätze nicht die Wirkung kleiner Motivationsbringer in deinem Sichtfeld. Probiere es aus - Du hast nichts zu verlieren.

  6. Stelle deine Gesundheit an erster Stelle: Wenn du es dir leisten kannst, achte auf eine optimale Schreibumgebung und Schreibausstattung. Nutze einen Teil deiner geringen Schreibzeit für Bewegung (Alltagsbewegungen reichen!) und frische Luft. Und: Nimm deine Gesundheit ernst genug, um deinen Schlaf zu priorisieren.

  7. Bau dir ein Netzwerk auf: Versuche, dir innerhalb deines Promotionsfaches ein Netzwerk aufzubauen. Teile deine Gedanken und erste Forschungsergebnisse. Zu merken, dass Interesse an deiner Forschung besteht, kann wirklich alles verändern. Du promovierst nicht für die Schublade, deine Forschung ist relevant und leistet einen Mehrwert.

  8. Hol dir Unterstützung: Wenn möglich, nimm Unterstützungsangebote an: Wenn Familie, Freund*innen oder Nachbar*innen dir helfen können, dir Freiräume zu schaffen (zum Schreiben oder Durchatmen), nimm sie an. Wenn deine Universität, Doktorand*innen in Mentoring-Programmen oder Schreibveranstaltungen oder -gruppen zusammenbringt, melde dich an. Wenn dir eine 1:1-Begleitung in deinem Schreibprozess helfen würde, melde dich gerne bei mir.

Ich freue mich, dass du diesen Blogbeitrag zu Ende gelesen hast und wünsche dir viel Erfolg beim Fertigschreiben deiner Dissertation. Bei Fragen zu meinen Schreibcoaching-Angeboten, melde dich gerne per E-Mail bei mir. Ich freue mich auf dich und dein Projekt.

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