Blogbeitrag #23: Vergiss nicht, deine Erfolge zu feiern, dich zu belohnen und stolz auf dich zu sein.
Wenn es selbstverständlich für dich ist, deine Erfolge zu feiern, und du das eh schon immer ausgiebig gemacht hast, brauchst du nicht weiterzulesen. Falls du dich aber gerade ertappt fühlst und merkst, dass du deine akademischen Abschlüsse oder Buchveröffentlichungen oder sonstigen Erfolge bisher immer sehr schnell abgetan und ad Acta gelegt hast, lies gerne weiter.
Eine systemische Beraterin, deren Impulse ich sehr schätze (Mariola Kessler), hat dieses Verhalten vor Kurzem in einem Instagram-Beitrag mit dem Negativity Bias und dem inneren Kritiker erklärt, also dass Positivem immer weniger Raum gegeben wird als Negativem. Das mag evolutionär dem Überleben gedient haben, hilft aber heute nicht gerade dabei, ein glückliches Leben zu führen.
Mir fallen noch drei weitere Gründe ein, warum es dir schwerfallen könnte, Erfolge angemessen zu feiern:
Perfektionismus: Perfektionismus kann in viele Abstufungen vorkommen und in jedem Fall verhindern, dass du mit dir und deinen Leistungen zufrieden bist. Er reicht vom gesellschaftlich erwünschtem Exzellenzstreben (wir müssen ja alle ständig besser werden!) bis hin zum klinischen Perfektionismus, bei dem selbst kleinste Fehler den eigenen Selbstwert gravierend negativ beeinflussen können (Shafran, Cooper, und Fairburn 2002; Spitzer 2016).
Falls du perfektionistisch veranlagt bist, kann es sein, dass dir Noten sehr wichtig sind. Bei Abschlüssen achtet aber in kürzester Zeit niemand mehr auf die Noten. Versuche stolz darauf zu sein, es durchgezogen zu haben – unabhängig davon, wie lange du gebraucht hast, wie deine Note war und ob du es hättest besser machen können (bei besserer Begleitung, weniger Stress, etc.). Du hast es geschafft.
Angst vor Ablehnung: Es gibt eine riesige Hemmschwelle, Erfolge zu feiern. Was, wenn das jemand mitbekommt? Bist du etwa arrogant? Bildest du dir auf deinen Abschluss etwa etwas ein? Das ist – besonders bei Frauen – ein echt großes Thema. Nicht auffallen wollen, nicht auf eigene Erfolge verweisen, sich selbst klein machen.
Ich bin offensichtlich keine Psychologin, kann dir aber guten Gewissens mitgeben, dass es wichtig ist, stolz auf dich und deine Leistungen zu sein. Seine Erfolge zu feiern kann bedeuten im Freundeskreis zu sagen: „Ich habe das durchgezogen, obwohl es schwierig war und ich zwischendurch nicht an mich glaubte. Wie fantastisch ist das denn? Ich bin so erleichtert.“ Das ist nicht arrogant, das ist fabelhaft, offen und sympathisch.
Schnelllebigkeit: Du hangelst dich so schnell von Stelle zu Stelle, bist gedanklich schon beim nächsten Förderantrag oder arbeitest bereits an deinem nächsten Buchprojekt, sodass der Moment der Abschlussverkündung oder die Veröffentlichung deines Buches schlichtweg untergeht. In der schnelllebigen Buchbranche und bei der kurzen Projekt- und Vertragsdauer in der Wissenschaft kann es sehr leicht passieren, dass du erst in der Retrospektive mitbekommst, was du geleistet hast.
Nimm diesen Beitrag gerne als Einladung, einmal innezuhalten. Denk darüber nach, was du alles schon gemacht und geleistet hast und wie wenig du dich dafür selbst gelobt hast. Klopf dir mal auf die Schulter.
Falls du im Endspurt deiner Abschluss- oder Doktorarbeit steckst und professionell begleitet werden möchtest, melde dich gerne bei mir. Ich unterstütze dich beim Dranbleiben und Fertigwerden. Und dann wird gefeiert.
Shafran, Roz, Zafra Cooper, und Christopher G. Fairburn. 2002. „Clinical Perfectionism: A Cognitive–Behavioural Analysis“. Behaviour Research and Therapy 40(7):773–91. doi:10.1016/S0005-7967(01)00059-6.
Spitzer, Nils. 2016. Perfektionismus und Seine Vielfältigen Psychischen Folgen: Ein Leitfaden Für Psychotherapie und Beratung. Psychotherapie: Praxis. Berlin, Heidelberg: Springer Berlin / Heidelberg.